Modern-Folk-Konzert

"Other Roads" überzeugte mit expressiver Musik

die drei Musiker der Band

Melodien, die glücklich machen und Texte, die hinterfragen: Wenn die Band „Other Roads“ die Bühne betritt, hält die Zeit den Atem an und lässt sich nieder, um klanggewordener Poesie zu lauschen.

Im voll besetzten Ferdinand-Schmid-Haus werden Pete Abbott, Gregor Borland und Dave Walmisley mit herzlichem Applaus willkommen geheißen - von ihren langjährigen Fans sehnsüchtig erwartet und von Gästen, die zum ersten Mal dabei sind, neugierig betrachtet. Enttäuscht wird bei diesem Konzert niemand, im Gegenteil: Die Fans feiern „ihre“ Band und aus „Newcomern“ werden neue Fans.

Vor 20 Jahren traten Pete Abbott und Gregor Borland erstmals in Ketsch auf, damals zusammen mit John Wright, der viele Jahre in Ketsch Konzerte gegeben hatte: Das Lied „Black Clothes“ erinnert ganz besonders an jene Zeiten. Nach dem plötzlichen Tod von John Wright formierte sich die Band neu, Dave Walmisley kam hinzu und seit nunmehr 18 Jahren gehen die drei talentierten Musiker als „Other Roads“ regelmäßig auf Tournee. Sonorer Gesang, Gitarren, Mandoline, Bass und eine Fiddle: mehr braucht es nicht, um ein eindrucksvolles Konzert zu bieten: mit eigenen Kompositionen, Leidenschaft und spürbarer Freude an der Musik.

Zusehen, zuhören, sich tragen lassen vom ausdrucksstarken Spiel der Fiddle und vom grandiosen Gesang, das ist die eine Seite des Konzerts. Doch es gibt noch eine zweite: eine heitere, deren Fröhlichkeit sich ihren Weg bahnt – losgelöst und federleicht. Es wird gescherzt, gelacht und so mancher Schabernack getrieben. Es ist das letzte Konzert ihrer Deutschland-Tournee und die drei Musiker geben noch einmal Vollgas. Bürgermeister Timo Wangler, der mit seiner Frau Katja zum ersten Mal dabei ist, wird von Pete Abbott sogleich in den Fokus genommen: Augenzwinkernd gibt es Tipps, wie ein Bürgermeister sein „Volk“ glücklich machen kann und sodann stellt sich die Frage: „Wird es eine Einladung geben?“ Denn Bürgermeister i.R. Jürgen Kappenstein sitzt ebenfalls im Publikum - als „Wiederholungstäter“ - und seine Einladung der Musiker vor vielen Jahre ist bis heute unvergessen geblieben. Das Band der Freundschaft ist dicht gewebt und im Verlauf des Konzerts bleibt kein Zweifel daran, dass nun auch Bürgermeister Wangler dazugehört.

Sehr zur Freude des Publikums hat die Band in diesem Jahr eine neue CD mitgebracht und natürlich werden einige der neuen Lieder live gesungen: Aus der Feder von Pete stammt das stimmungsvolle „A Matter Of Time“. Ob und wann man Entscheidungen trifft, ist immer eine Frage der Zeit... Im einfühlsamen Song „On Angels Wings“ spannt Pete einen symbolischen Regenbogen hinauf in den Himmel - eine liebevolle Erinnerung an seine Mutter, die vor zwei Jahren verstorben ist. Das Lied „Vagabond Rules“ von Dave macht Lust auf Freiheit und Leichtigkeit, denn ein Vagabund sucht immer „the easy option“. Für Begeisterung sorgt auch der Song „Across The Rubicon“: Als Julius Cäsar am 10. Januar 49 v. Chr. den Fluss Rubikon, der damals die Grenze zwischen der römischen Provinz Gallien und dem eigentlichen Italien bildete, überschritt, löste er den Römischen Bürgerkrieg aus. Heutzutage ist der Ausdruck „Den Rubikon überschreiten“ eine Redewendung für einen unwiderruflichen Schritt, nach dem es kein Zurück mehr gibt. Einen solchen Schritt machte auch Dave bei seiner zweiten Hochzeit, als er dieses Lied schrieb und für ihn ein neues Leben begann.

Nicht fehlen darf die traditionelle Musik Schottlands: Greg - ein meisterhafter Fiddlespieler - sorgt mit den Solostücken „Random Notes“, „The Banshee“ und „Century reel“ für Begeisterungsrufe im Publikum. Für andere Lieder greift der Virtuose aber auch gerne zur Bassgitarre und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass er ein Rock‘n‘Roller sein kann...

Mitsingen und mitklatschen

Im Verlauf des Abends nehmen die Musiker ihr Publikum mit auf eine Reise, die bei den unterschiedlichsten Themen Station macht: So geht es von der „London Road“ in den „Night Train To Munic“. Und immer wieder: die Stimme von Pete - ein warmes Timbre, das die Klangfarben zum Leuchten bringt.

„Chase Those Blues Away“ von Dave ist eine sonore Einladung zum Glücklichsein. Mit „Any Port In A Storm“ besingt Pete expressiv seine Sehnsucht nach zu Hause, während er auf Tournee ist, und mit „On Butterflies Wings“ macht Dave deutlich, dass er irgendwann in seinen Geburtsort in Südafrika zurückkehren wird. Der fantastische Song „Pray“ von Pete ist aktueller denn je, und mit „Gone“ und „Hillcrest Mine“ bringt die Band ihr Publikum zum Klatschen und Singen.

Es ist kein Wunder, dass der Einladung zum Mitsingen und Mitklatschen so gerne nachgekommen wird. Denn dies ist das Besondere bei jedem Konzert mit „Other Roads“: Zwischen Singen und Zuhören gibt es keine Grenzen! Auch wenn die Bühne räumlich vom Zuschauerraum getrennt ist, scheinen die Musiker doch inmitten ihres Publikums zu stehen und sind mit ihm in ständigem Dialog: mit offenherzigen Anekdoten - sei es über die ständig abgeänderte Playlist, über das „anstrengende Künstlerleben“ oder über den Kofferraum voller CD-Player, um die neue CD anhören zu können. Es wird viel gelacht! Wie in einer großen Familie wird einander Vertrauen geschenkt und in Liedern von Ton zu Ton weitergegeben. Wer es erlebt hat, wird nach jenem samtweichen Gänsehaut-Gefühl süchtig werden.

Das Kaleidoskop der Emotionen hat vielerlei Farben und Formen: Other Roads füllt sie alle aus, beschreitet unbequeme Pfade ebenso wie heitere und hat den Mut, sich auch in luftige Höhen der Fantasie zu wagen. Die Interpretationen gehen unter die Haut, berühren und lösen viele Empfindungen aus, denn im Wechselbad der Gefühle geht es vom temperamentvollen Rhythmus unvermittelt zu träumerischen Gedankenspielen und ebenso schnell wieder zurück zur Lebensfreude.

Mit einem nicht enden wollenden Applaus - auch für Tontechniker Adam Barton - fordert das Publikum mit „Standing Ovations“ Zugabe um Zugabe. Beim beliebten Song „Windy Harbour“ wird nochmals gesungen und „Lighthouse“ vereint alles das, was dieses Konzert beinhaltet: Herzlichkeit, Virtuosität und Melodien, die glücklich machen. sas/Fotos: Janson

  • Pete Abbott mit Gitarre
  • Gregor Borland mit Violine
  • Dave Walmisley mit Gitarre
  • alle drei Musiker