Sankt-Sebastian-Kirche

Vor 120 Jahren auf Fundamenten zweier Kirchen erbaut

Ansicht Kirchengebäude

Es war der Kirchweihsamstag und ein ganz besonderer Tag für die Enderlegemeinde: Am 20. Oktober 1906 fand die feierliche Konsekration der Sankt-Sebastian-Kirche statt. An der Einweihungsfeier nahmen unter anderen Weihbischof Dr. Friedrich Justus Knecht aus Freiburg und Bischof Konrad Busch aus Speyer teil.

„Nach der erhabenen kirchlichen Feier richteten die hohen Kirchenfürsten beim Gastmahle herzerhebende Worte an die Festversammlung und dankten der opferwilligen Gemeinde, wie auch dessen gegenwärtigem Seelsorger Pfarrer August Diebold und dem Erzbischöflichen Bauinspektor Johannes Schoth aus Karlsruhe für das eifrige Bemühen um die gute Sache“, schrieb der Katholische Stiftungsrat rückblickend.

Die 120 Jahre alte Kirche ist - seit 1453 - die dritte auf dem jetzigen Platz. Heimatforscher Robert Fuchs berichtete, dass jenes 1453 erwähnte Kirchlein eine Länge von etwa 18 Metern und eine Breite von rund 7,5 Metern gehabt hatte und von einem Kirchhof umgeben gewesen war. Immer wieder war das Bauwerk Zerstörungen ausgesetzt, unter anderem im Dreißigjährigen Krieg und im Kriegsjahr 1689.

Pläne, Verhandlungen und Neubau

Anfang des 18. Jahrhunderts begannen die Bemühungen um einen Kirchenneubau. Doch erst um 1781 lagen Pläne zur Erbauung eines neuen Gotteshauses vor. 1785 wurde mit dem Abbruch der alten Kirche begonnen und im August 1787 weihte der Bischof von Speyer die Kirche ein, die 300 Sitzplätze hatte. Die Schadhaftigkeit der Holzkonstruktion brachte jedoch schon bald hohe Kosten mit sich. Vor allem am Kirchturm wurden bauliche Mängel sichtbar, denn er neigte sich zur Seite. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits im Jahr 1874 der Gedanke an einen Kirchenneubau auftauchte.

Am 29. Juni 1903 war es dann soweit: Nach langer Verhandlungszeit wurde der Neubau letztendlich genehmigt und im Frühjahr 1904 konnte mit dem Bau begonnen werden.

Am 25. September 1904 erfolgte die Grundsteinlegung: „Innerhalb der letzten 20 Jahre ist die Einwohnerzahl von 1500 auf 2500 hinaufgeschnellt, sodass in dem ärmlichen, im Barockstil des 17. Jahrhunderts erbauten alten Gotteshauses kaum ein Viertel der Gemeinde mehr Platz fand. Um dieser Kirchennot entgegenzusteuern, erheben sich nun auf den vorgefundenen Fundamenten zweier alter Kirchen die Grundmauern dieses neuen Gotteshauses“, stand auf dem Urkundentext geschrieben.

Der beim Abbruch der alten Kirche gefundene Skulpturstein eines gotischen Sakralbaus wurde an der Außenwand des Aufgangs zur Orgelempore der neuen Kirche eingelassen. Als Namenspatron wurde der Heilige Sebastian, ein römischer Märtyrer, gewählt.

Zwei Jahre intensiver Bauzeit vergingen, bis die neue Kirche - eine dreischiffige basilikale Anlage in romanischen Stilformen - eingeweiht wurde.

Rund 250.000 Mark Gesamtkosten hatte das 1300 Besuchern Platz bietende Bauwerk „verschlungen“, wobei die Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger sehr hoch gewesen war.

Nach Fertigstellung der Kirche bestand deren Geläut aus vier Bronzeglocken, die bereits 1917 wieder demontiert und Kriegszwecken zur Verfügung gestellt werden mussten. 1921 wurden drei Glocken aus Gussstahl gekauft: mit den Inschriften „Glaube“ (Ton h‘), „Hoffnung“ (Ton d‘) und „Liebe“ (Ton f‘). 43 Jahre lang waren diese Stahlglocken im Dreiklang zu hören, bis sie 1964 durch eine Bronzeglocke mit dem Namen „Sankt Sebastian“ und dem Ton g‘ komplettiert werden konnten. Am 24. Dezember 1964 stimmte die Bronzeglocke dann erstmals in den „Gesang“ ihrer stählernen Schwestern mit ein. sas/Foto: Gemeindeverwaltung